Es gehört schon beinahe zum guten Ton, dass sich Medien alle vier Jahre dafür interessieren, welche deutsche Großunternehmen welche US-Politiker beim Wahlkampf finanziell unter die Arme gegriffen haben. Besonders bei Trump ist das noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Schließlich sind seine diskriminierenden, sexistischen und Klimawandel verharmlosenden Aussagen ein Kraus für jedes zukunftsgewandte Unternehmensleitbild. Dann entstehen solche Schlagzeilen:

Schlagzeilen von br.de , ard.de, finanzen.net und Co.
Schlagzeilen von br.de , ard.de, finanzen.net und Co.

Was sagt die Allianz zum Thema?

Viele Unternehmen halten sich nun bedeckt bei angeforderten Stellungsnahmen. Meist wird argumentiert, dass Mitarbeiter*innen privat spenden und nicht das Unternehmen repräsentieren.
Aus Sicht der Allianz habe ich noch keine Aussagen mitbekommen, deswegen habe ich die Unternehmenskommunikation angeschrieben. Denn in der Allianz-Statistik stehen 72 % der Spendenausgaben zu Gunsten der Republikaner. Mit freundlicher Genehmigung die Antwort:

Die Allianz spendet als Firma nicht an Parteien/Politiker in den USA. Zudem sind Präsidentschafts-/Bundeswahlkampfspenden in den USA für Firmen grundsätzlich verboten.
Spenden können aber privat erfolgen, über Einzelpersonen oder sogenannte Political Action Committees (PAC). Diese gibt es in der USA bei den meisten großen Firmen und sind ein loser Zusammenschluss von leitenden Angestellten. Es besteht bei solchen Spenden also lediglich ein indirekter Zusammenhang mit der Firma, nämlich der, dass die einzelnen Leute dort arbeiten.

Die Allianz nimmt aber keinen Einfluss auf die individuellen Spenden der Angestellten und darauf, an wen gespendet wird und hat auch keine weiteren Informationen dazu. Das Recht der Mitarbeiter zu spenden ist durch die Verfassung geschützt. Wir üben keine Kontrolle darüber aus oder haben irgendein Interesse daran, dies zu tun. Gespendet wird im Übrigen an Kongressabgeordnete und nicht an Präsidentschaftskandidaten, also auch nicht an Donald Trump.

Pro Jahr werden vom Allianz PAC ca. 50.000 – 60.000 US Dollar gespendet. Letztes Mal ging etwas mehr als die Hälfte davon an Republikaner. Da in den USA hohe Transparenz in Bezug auf Politikspenden herrscht, müssen auch private Spender angeben, für wen sie arbeiten. Deshalb wird in den Medien dann oft alles zusammen in einen Topf geworfen und den entsprechenden Firmen zugeschrieben, was nicht korrekt ist.

Karl Snethlage
Allianz SE
Group Communications and Corporate Responsibility

Gerade hinsichtlich des Imageschadens (Die Allianz engagiert sich im Bereich Nachhaltigkeit, unterstütz aber gleichzeitig eine Partei mit größtenteils Klimaskeptikern?) ist das Thema für die öffentliche Wahrnehmung aus meiner Sicht relevant. Offizielle Aussagen sollten deswegen leicht auffindbar entweder im Pressebereich, in den FAQs oder im News-/Blogbereich der Unternehmensverantwortung stehen. Am besten auch mit moderierter Kommentierfunktion, um eine Chance zu haben mit kritischen Zeitgenossen direkt in den Dialog zu treten.

Dort würde ich dann z.B. auch noch einmal nachhaken, warum der Name der Allianz überhaupt für die sogenannten SuperPACs zur Verfügung steht, wenn die Mitarbeiter*innen doch privat spenden sollen (dann eben mit entsprechendem Spendenlimit). Außerdem fände ich noch spannend zu wissen, ob Spenden irgendwie mit Gehalt oder Bonuszahlungen verrechnet werden. Zuletzt frage ich mich, ob es für das Nachhaltigkeitsstreben der Mitarbeiter*innen der Allianz spricht, wenn mehr Geld für die Republikaner zusammenkommt.

Aber insgesamt finde ich gut, dass der Allianz-Vertreter mir auf meine Anfrage relativ schnell geantwortet hat, ohne dass mir der Eindruck vermittelt wird, eine Standardantwort zu erhalten (was zwecks Zeitersparnis jedoch auch okay wäre). Vielleicht gibt es ja noch User, welche eine eigene Einschätzung der Antwort liefern können. Hierfür kann man gerne die Kommentierfunktion unten nutzen.

Eine Allianz für Trump?
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