Kurzfassung:

Der High Five-Ansatz gibt eine Orientierungshilfe für diejenigen, die sich fragen, wie sie einen positiven und ganzheitlichen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft leisten können.

Dabei muss man sich immer seiner sozialen und ökologischen Verantwortung bewusst sein und diese als Leitplanken des eigenen Handelns reflektieren.

Die Hand dient als Metapher für den Ansatz.

Die Faust stellt als erster Schritt die Motivation des eigenen Schaffens dar, die als Problem oder Idee vorliegt. Zur Bearbeitung wird die Hand geöffnet. Die Handfläche beherbergt Methoden und Tools, um die Idee gemeinsam mit anderen umzusetzen.

Die Finger sind fünf Aspekte, die man in seinem Handeln abdecken soll: Auskommen sichern, Beziehungen pflegen, Gesundheit berücksichtigen, Rahmenbedingungen beeinflussen und Lokales fördern.

Ein „High Five“ stellt den Zustand dar, wenn man in Balance ist, sein Potenzial ausschöpft und dies mit anderen feiern kann.


Langfassung:

Welche Orientierung gibt es, um unsere Gesellschaft aktiv in Richtung Zukunftsfähigkeit zu gestalten?

Ich war auf der Suche nach einem Modell, welches wie eine Hülle um die verschiedensten vorhandenen Ansätze passt. Denn „die“ Lösung gibt es wahrscheinlich noch nicht. Aber Methoden, um persönlich eine Orientierung zu finden und aus einem Möglichkeitsspielraum auszuwählen.

Ich fasse meinen aktuellen Vorschlag unter dem „High Five“-Ansatz zusammen. Dieser ist für mich meine Antwort, was eine futurphile Lebensweise wäre und wird in Zukunft konkretisiert.

Dabei ist der erste Schritt, sich über seinen aktuellen Status Quo bewusst zu werden. Egal was Du machst, diese zwei Elemente solltest Du immer mitdenken:

1) In welcher Lebenssituation befinden wir uns, was ist unser Kontext?

Wir starten leider nicht mit den gleichen Bedingungen in Deutschland. Welche gesonderten Pflichten und Verantwortungen haben wir zum Beispiel, wenn wir als weißer Mann aus wohlbehütetem Elternhaus stammen?

Inwiefern können wir einen positiven Beitrag durch unser Handeln leisten, um Chancengerechtigkeit herzustellen?

2) Der zweite Aspekt des Status Quo ist der Zustand der Umwelt.

Welche Ressourcen (insb. CO2) dürfen wir verbrauchen, um die planetären Grenzen einzuhalten und Kippelemente des Klimas zu schonen. Wie schaden wir mit unserem Lebensstil aktuell der Umwelt?

Die Faust

Was spüren wir, wenn wir mit unserer Hand eine Faust machst? Wut? Entschlossenheit? Gespanntheit? Die Faust steht für unsere Mission. Sie kann entweder in der Umsetzung einer Idee liegen oder in einer Auseinandersetzung mit einem Problem, dass uns berührt. Die Faust erinnert uns daran, was uns antreibt und motiviert.

Manche schlagen mit einer Faust auch zu, wollen etwas gewaltsam erreichen. Das halte ich im Normalfall für die falsche Lösung. Langfristige Lösungen werden mit ruhigem und klaren Verstand entwickelt. Dafür steht:

Die Handfläche

Der verbindende Part der Hand hält alles bereit, was uns beim „Wie?“ weiterhelfen soll. Welche Methoden und Anleitungen helfen uns:

  • eine Idee zu finden
  • die Idee zur Umsetzung zu bringen
  • über die Wirkung des Vorhabens zu reflektieren
  • Ziele zu setzen
  • unsere Arbeitsweise zu organisieren
  • mit verschiedensten Menschen zu sprechen
  • positive Gewohnheiten zu bilden
  • andere zum Mitmachen zu motivieren
  • etc.

Hier gibt es schon viele vorhandene Denkwerkzeuge und Konzepte, auf die situationsbedingt zurückgegriffen werden können. Sie sind mit am Wichtigsten beim High Five-Ansatz.

Die Finger

Womit sollen wir uns nun die vielleicht 18 wachen Stunden am Tag beschäftigen, wenn wir „futurphil“ leben wollen? Ich hüte mich davor, eine zwar konkrete aber unflexible Antwort zu geben. Wir sind dazu zu individuelle Persönlichkeiten.

Stattdessen schlage ich fünf Elemente vor, deren Berücksichtigung ich für wichtig erachte. Welche Priorität der oder die Einzelne jeweils einem Aspekt geben möchte, hängt auch von seinem Interesse oder ihren Vorlieben ab. Im besten Fall bedient eine Aktivität gleich mehrere Elemente auf einmal.

Diese Reihenfolge bildet meine Einschätzung ab, wie der/die durchschnittliche Deutsche seine Zeit investiert. Mit Fragen versuche ich darzustellen, um was es jeweils geht:

  • Auskommen sichern:

    Von (sehr positiven) alternativen Lebensweisen abgesehen, benötigen wir Geld, um unsere Grundbedürfnisse nach Wohnen, Essen, Energie, Kleidung etc. befriedrigen zu können.

    Wie kann diese Auskommenssicherung so gestaltet sein, dass sie Gemeinwohl, -Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitsaspekte nicht verletzt? Was brauchen wir wirklich und wie können wir unsere Ausgaben senken? Und wie möchten wir arbeiten, in welchen Organisationsmodellen? Wie trägt unsere Arbeit zum Gelingen der Sustainable Development Goals (SDGs) bei?
  • Beziehungen pflegen:

    Zuvorderst ist hier die Familie zu nennen. Wie sorgen wir uns um die Generation(en) vor und nach uns? Was ist der eigene persönliche Generationenvertrag?

    Zu welchen Care-Tätigkeiten fühlen wir uns bereit? Wie bekommen wir unsere Beziehung mit anderen Aktivitäten unter einen Hut? Wie können wir unsere Freund*innen dabei unterstützen, ihre Missionen zu erfüllen (wenn sie nicht unnachhaltig sind)? Haben wir Mentor*innen, die uns wiederum bei unserer Arbeit unterstützen?
  • Gesundheit berücksichtigen:

    Bei diesem Punkt muss man ganz an sich selbst denken. Denn was hilft die beste Idee, wenn der Burnout naht oder der Rückenschmerz sich bemerkbar macht?

    Hier braucht es eine psychische und physische Balance. Was können wir machen, um unsere Energie aufzuladen? Wie gewinnen wir an Achtsamkeit? Wo erhalten wir neue Inspirationen?

    Und was braucht unser Körper an Bewegung und Körperpflege? Wie viel Schlaf brauchen wir? Welche Ernährung ist ratsam? Das Ziel muss damit kein möglichst langes Leben sein. Der Fokus liegt stattdessen auf die Qualität der Lebensjahre.
  • Rahmenbedingungen beeinflussen:

    Es reicht leider nicht, seinen Arbeitsplatz zu rocken und auf seinen Körper wie auch Freunde zu achten. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen.

    Damit es auch anderen Menschen leichter fällt, Bullshit-Jobs zu verlassen, eine bessere Bildung zu erhalten, eine intakte Umwelt zu genießen oder einfach ohne Angst in die Zukunft zu schauen. Es braucht unsere Stimme und damit meine ich nicht (nur) das Ankreuzen eines Wahlzettels.

    Sei es durch das Schaffen von Bildungsangeboten, Medienbeiträge, politische Partizipation, kulturellen Interventionen. Und je nach Thema betrifft das auch nicht nur die lokale Bühne, manches braucht auch internationale Aufmerksamkeit. Nur durch die Änderungen der Rahmenbedingungen lässt sich ein systemischer Wandel gestalten.
  • Lokales fördern:

    Wir brauchen wieder mehr dezentrale Subsistenzstrukturen. Dazu sollte jeder von uns praktisch beitragen. Entweder indem Angebote geschaffen oder selbige genutzt werden. Dabei müssen wir nicht an großartige, aber manche in ihrer Konsequenz abschreckende, Öko-Dörfer denken. Auch moderne Fab-Labs können zum Beispiel eine Rolle spielen.

    Lokale Märkte, Repair-Cafés, Gemeinschaftshäuser, Leihläden, Partizipationsinstrumente, Lastenräder, solidarische Wirtschaftsformen – auf welche Angebote können wir in 15 Minuten Fahrradzeit zugreifen?

    Wir brauchen wieder mehr dieser Strukturen, um resilientere Gemeinschaften zu bilden, unabhängiger von unter Wachstumsdruck leidenden Anbieter zu werden und eine suffizientere Lebensweise zu ermöglichen.

    Anders als im völkischen Denken vertreten, bedeutet dies aber keine Abgrenzung nach außen, sondern ist immer mit der Einladung des Austausches und des Voneinanderlernens verbunden.

Zu diesen Themen möchte ich gelunge Beispiele sammeln und sie noch mehr konkretisieren. Gleichzeitig versuche ich selbst, jene Aspekte stärker zu berücksichtigen. Das ist (noch) kein fixes Modell und man lernt ja nie aus. Doch ich würde mich freuen, wenn diese Orientierungshilfe bei der Ausrichtung zu einem futurphilen Lebensstil nützlich sein kann.

High Five als Flow-Zustand und Symbol

In richtiger Balance und mit einem guten Gefühl der Selbstwirksamkeit, kann sich ein dauerhaftes Hochgefühl einstellen. Dies kann mit Gleichgesinnten durch das (in Corona-Zeiten symbolische) „High Five“ gefeiert werden.

So können zum Beispiel „Circles of High Fives“ kleine Gruppen sein, welche sich gegenseitig darin unterstützen, ihren Ansprüchen zu genügen und eine innere Zufriedenheit mit Ihrem Tun zu erreichen. Schließlich überträgt sich dadurch als Nebeneffekt auch die Idee weiter. Denn nur gemeinsame Anstrengungen lassen uns Großes bewirken.

Darauf ein „High Five“!